Leidenschaft …schafft sie wirklich Leiden ?

Was bedeutet eigentlich Leidenschaft? Und warum ist Leidenschaft so wichtig?

Laut Duden ist die Definition von Leidenschaft:

1.sich in emotionalem, vom Verstand nur schwer zu steuerndem Verhalten äußernder Gemütszustand (aus dem heraus etwas erstrebt, begehrt, ein Ziel verfolgt wird)“eine dämonische, schöpferische, blinde Leidenschaft“.

2.große Begeisterung, ausgeprägte [auf Genuss ausgerichtete] Neigung, Passion für etwas, was man sich immer wieder zu verschaffen, was man zu besitzen sucht, für eine bestimmte Tätigkeit, der man sich mit Hingabe widmet.

Rein rational betrachtet, klingt Leidenschaft nicht gesund. „Vom Verstand schwer zu steuerndes Verhalten. Sich äußernder Gemütszustand“ – und das, obwohl der erste Rat, mit dem viele Frauen ihr Berufsleben beginnen, ist: „Heul‘ bloß nicht vor deinem Chef“.

Gefühlsregungen gelten gerade im Businessbereich immer noch als ‚No-Go‘. Dabei sind es gerade die Gefühlsregungen die unser Leben so spannend machen. Oder haben Sie mal Ihren Kollegen sagen hören: ‚Dieser Zustandsbericht für die Qualitätssicherung, ich sag Dir ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke‘. Wahrscheinlich nicht.

Ich denke eher, dass Sie die Gefühlsregung ‚Begeisterung‘ vor Augen haben, wenn eines Ihrer Kinder den dramatisch, eskalierten Unfall zwischen BobbyCar und Dreirad beschreibt. Oder Sie denken bei Leidenschaft eher an Sex. Jedenfalls denkt Google daran, die ersten fünf Treffer haben mit Sex zu tun.

Ich persönlich denke bei Leidenschaft an meinem Beruf. Ich bin Verkäuferin. Wie jeder Verkäufer liebe ich es, zu reden, im Mittelpunkt zu stehen, Aufmerksamkeit zu bekommen und LEIDENSCHAFTLICH über die Vorzüge meines Produktes, die meines Projekts, meiner eigenen Person oder meiner Firma zu philosophieren. Mit dämonisch, schöpferisch und blind hat es wenig zu tun. Eher etwas mit jagen und sammeln. Ich jage den Auftrag und sammle zufriedene Kunden und ein zufriedeneres Publikum. Mich macht es glücklich, wenn mein Kunde sagt ‚Wow, Sie haben mir jetzt richtig geholfen! Ich schicke ihnen die Bestellung!‘ Wie ein gutes Glas Wein oder ein grandioses Stück Soul entlohnt dieser große Genuss die meine Hingabe für meinem Beruf. Ich möchte begeistern.

Leider erlebe ich es in meiner Branche tatsächlich oft, das Vertrieb/Verkauf scheinbar etwas mit Leiden zu tun hat. Das Erleiden von Druck, das Erleiden von Regelwerk und das schlimmste, dass Erleiden von Kommunikation. Mit Anfang zwanzig habe ich immer gedacht: „Such‘ Dir doch einen neuen Job, du Jammerer“. Jetzt, mit Mitte vierzig, kann ich meine Kollegen verstehen. Irgendwann ist es schwer jeden Tag, immer wieder die gleichen ‚dummen‘ Fragen von den Nicht-Experten Namens ‚Kunden‘ zu ertragen. Aus heutiger Sicht scheinen die letzten zwanzig Jahre des Arbeitslebens so unendlich lang. Ein richtiger „Leidensweg“.

Aber wie wäre es denn, wenn wir die Perspektive wechseln. Wie schon gesagt, ich liebe meinen Job. Ich höre mich auch zum zweihundertsten Mal gerne sagen, dass es sich bei diesem und jenem Produkt so und so verhält. Ich liebe diese einfachen Fragen, die Kunden stellen, bei denen ich mit scheinbar grenzenlosen Wissen glänzen kann. Noch mehr liebe ich die komplexen Fragen, auf die ich keine Antwort kenne und meinem Gegenüber das Gefühl gebe er habe jetzt was ganz, ganz Kluges gefragt. Denn ich bin der Experte, ich komme durch meine Kontakte und Erfahrungen an Antworten, von jeder meiner Kunden nur träumen kann.

Ja, genau. Das ist für mich Leidenschaft!

Abschlüsse sind wichtig für die Motivation, aber Sie helfen tatsächlich nicht Leidenschaft für unseren Job zu entwickeln. Diese Leidenschaft ist es jedoch, die aus einem mittelmäßigen Verkäufer einen großartigen Verkäufer macht, die aus einem mittelmäßigen Arzt einen großartigen Arzt, oder aus einem mittelmäßigen Politiker einen großartigen Politiker machen.

Mein beherzter Rat an Sie: Finden sie heraus welches Thema in Ihrem Job ein Herzensangelegenheit ist. Kultivieren sie ihre Leidenschaft und äußern sie -verdammt nochmal- ihren Gemütszustand! Denn das macht sie großartig. Sie müssen ja nicht gleich vor Ihrem Chef weinen.

Ihre Tanja Tütken

2 Kommentare zu „Leidenschaft …schafft sie wirklich Leiden ?

  1. Liebe Tanja,
    ein leidenschaftlich verfasster Text! Es macht Spass ihn zu lesen.
    Auch ich bin sehr leidenschaftlich unterwegs und ernte dafür oft Unverständnis.
    Menschen sagen dann „knie dich da nicht so rein“ oder „sei nicht immer so euphorisch“. Doch, tue ich! Doch, bin ich! Nur so macht es mir Spaß. Ich bin nicht der Typ für halbe Sachen. Ganz oder gar nicht. Kämpfe!
    Deine Caro

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